Mittwoch, 5. März 2008
Schaut noch jemand fern?
Also ernsthaft.

Ich stolperte gerade über die Meldung auf Wunschliste.de, dass SAT1 sein Freitagabendprogramm mal wieder komplett überarbeitet. An sich ja eine feine Sache, denn nichts müffelt so sehr wie die fünf Jahre alte Aufwärmkost in der Mikrowelle. Aber dass manches bereits nach EINER Sendung versetzt wird, ist schon ein dicker Paukenschlag auf die Fernbedienung des Zuschauers.

Und was dem Treiben die 9Live-Krone aufsetzt ist die Tatsache, dass manches doch recht erfolgreich lief. Ich bin zwar kein Mathegenie und kann ohne Taschenrechner nicht einmal 1+1 zusammenzählen, doch 1,5 Millionen Zuschauer für "Ich Tarzan, du Jane" klingen doch zumindest nach einem kräftigen Rülpser im Fernsehdschungel.

Für SAT1 war es eine aber natürlich Enttäuschung, weil die Quote nicht bei 100 Millionen + X lag. Ja, diese amerikanischen Zahlen sollten doch auch in Deutschland möglich sein, mit der Statistik kann das sicherlich hingebogen werden. Oder wir Zählen noch halb Europa dazu.

An sich ist diese Quotenfixierung wie auf eine Banane ja zu verstehen. Aber andererseits wundert sich sogar langsam mein Windows-getunter PC ob der fantastischen Geschwindkeit der Programmänderungen, die sogar das schnelllebige Internet übertreffen und einen Intel-Prozessor alt aussehen lassen.

Da wird eine Sendung wie zum Beispiel die kongenial betitele "Marco Rima Show" in den Äther gejagt und gleich am nächsten Tag in die mittlere Nacht geschoben, weil doch ein paar Zuschauer zu wenig eingeschaltet haben - also in etwa zwanzig.

Dass trotz aller Hektik und aller Aktienoptionen eine Sendung auch mal Zeit braucht um wenigstens Luft zu holen scheint den Sekundenplanern nicht aufzugehen. Mundpropaganda ist nicht umsonst nicht totzukriegen.

Auf einem ganz anderen Blatt steht natürlich die allgemeine Qualität der Programme. Zumindest das deutsche Fernsehen scheint sich ja richtig daran zu erfreuen, einen bildpunktverseuchten Mist nach dem anderen zu produzieren und auf den Zuschauer loszulassen.

Und in genau diesem Punkt schlägt die Globalisierung dann so richtig zu, wo es wehtut. Anders ausgerechnet: US Serie + Internet = Tauschbörse.

Vielleicht bin ich hier der einzige, aber wenn ich Senderchef wäre, wären mir die kleinen Hausfrauen und die Arbeitslosen scheissegal. Ich würde so intelligente Serien produzieren und mit Untertitel gleich selbst ins Internet stellen, dass "24" einpacken könnte.

Die Geschichte mit den Quoten brächten wir dann auch noch geregelt. Denn ich habe das bestimmte Geh-fühl, dass die Statistiker sich nur die Leute zur Messung raussuchen, die auch noch tatsächlich vor der analogen Alt-Glotze hängen, während der ganze Rest schon digital im Internet säu..saugt.

Wilkommen in der wirklichen Welt, du deutsches Fernsehen, du...

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Mittwoch, 27. Februar 2008
Der Traum vom Foltern
Langsam aber sicher mache ich mir sorgen. Denn wenn die Zeit mit ihrem Artikel recht hat, dann wollen immer mehr Juristen in Deutschland die Folter wieder "einführen" bzw. gesellschaftsfähig machen.

Tja, das Mittelalter hat ja schon richtig gut gezeigt, dass ein System der Folter hervorragend funktioniert. Da haben Unschuldige reihenweise gestanden, allerhand unchristliches getan zu haben. Und wenn die Folter in Deutschland wieder praktiziert wird, garantiere ich einen explosionsartigen Anstieg von Terroristen.

Äh, "Terrorsiten".

Die Politiker werden natürlich verkünden lassen, dass es wirklich nötig und eine gute Entscheidung war, denn die Zahlen seien ja so erschreckend. Trotz gewisser Vorahnungen hätten sie aber doch nie mit so etwas gerechnet.

Ich schon.

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Mittwoch, 20. Februar 2008
Blu Ray ist Sieger. Wen juckt das?
Soso. Blu ray ist nun als scheinbarer Sieger herorgegangen und kann nun den Siegeszug in das heimische Wohnzimmer antreten...

Insgeheim hoffe ich ja inständig, dass das HD-Format in seiner jetzigen Form so richtig auf die Schnauze fallen wird.

Wieso? Weil die extreme Big-Brother-Mentalität der Filmstudios mir gehörig auf den filmischen Zeiger geht. Da kauft man sich voll des Hypes so einen Mist, nur um dann festzustellen, dass der Flat-Fernseher die Scheibe nicht anzeigt, weil er entweder zu alt ist oder einen falschen Anschluss hat, der das *verschlüsselte* Bild nicht anzeigen kann.

Die Fan-Boys, die jeder technischen Neuerung fröhlich hinterherhecheln, um wenigstens ein bisschen Selbstwertfefühl zu bekommen, werden sicherlich viel dazu einwenden. So nach dem Mott: das ist noch nicht aktiv, das wird sich nocht ändern und noch mehr weisses Rauschen.

Mich interessiert das nicht die Bohne. Das einzige was ich an den Systemen erkennen kann ist der richtige Anspruch an der falschen Stelle: wer mal richtig aufpasst wird nämlich erkennen, dass der EINZIGE Vorteil von HD die Auflösung ist. In Sachen Ton können mir die Jungs vom Marketing sowieso kein Dolby für ein THX mehr vormachen, für mich klingt alles gleich.

Im Kern heisst also, dass wir uns ein paranoides System ans Bein binden, nur damit die Poren vom schlechten Schauspieler links noch ein wenig deutlicher zur Geltung kommen...wenn wir den Film aus 40 Zentimetern anschauen. Denn ab einem gewissen Abstand vom TV verschwimmt das Bild durch die Augen quasi von Natur aus.

Der ganze Hype um die Auflösung und der einherkommenden Bevormundung ("Hey, nur ein von uns zertifizierter Fernseher mit von uns zertifiziertem Kabel, du Sack") zeigt doch nur zu deutlich, dass nicht mehr die Filme selbst mit ihren Geschichten im Vordergrund stehen, sondern die Auflösung derselben.

Im Umkehrschluss heisst das also, dass die identischen aber normal aufgelösten Filme auf DVD nichts wert sind.

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Montag, 18. Februar 2008
Zocken macht Doof
Man mag mich masochistisch nennen, aber ich lese tatsächlich gelegentlich die Online-Version der Sueddeutschen Zeitung, um deren Ergüsse in ihrem Kreuzzug gegen das Internet und alles Moderne zu verfolgen.

Nun ist es wieder soweit. Dieses Mal ist es nicht das Netz mit uns Bloggern sondern Computerspiele und das veraltete Fernsehen, wobei die Sueddeutsche "nur" eine Studie zitiert.

Die üblichen Verdächtigen? Ja. Christian Pfeiffer, der konservative Knochen, der von Computerspielen so viel praktische Erfahrung wie ich vom Fliegen habe, hat mal wieder eine draufgeleft - also eine Studie. Und von dem, was ich auf der Sueddeutschen UnZeitung gelesen habe, ist es mal wieder ein typischer geistiger Erguss von typischer Qualität: im Ansatz gut gemeint , in der Durchführung und Interpretation aber soweit daneben, dass die schon genau gezielt haben müssen.

Denn was kam bei der Studie mit dem Titel "Die Pisa-Verlierer - Opfer ihres Medienkonsums" raus? Wer seine Zeit mit etwas anderem als mit lernen verbringt hat schlechtere Noten. OK, so steht es dort nicht (aber das Prinzip ist das gleiche): wer Daddelt/Zockt, ist schlechter. Dass sich der Medienkonsum, der Zeit kostet, natürlich auf die Lernzeit aufwirkt und damit die Noten verschlechtert, ist an sich logisch.

Eines muss ich aber schon sagen: der mit bedacht gewählte polemische Titel ist mal wieder bezeichnend. Die Schüler haben nur deswegen so schlecht abgeschnitten, weil sie Medien konsumieren. Im Klammern könnte hier auch stehen, dass in den guten alten Zeiten die Medien nicht so verbreitet waren und damit alles besser.

Weiterhin erscheint mit dieses Ding als ein zusammengeklaustertes Ding, dass vor allem die Weltanschauung von Pfeiffer unterstützen soll. Denn was soll man davon halten, dass zum Beispiel Äpfel mit Birnen verglichen werden? Ein Kind dass viel Medien konsumiert gegen ein Kind das wenig konsumiert. Das mag auf den ersten Blick logisch erscheinen geht aber am Kernthema vorbei: Zeitverschwendung. Insofern hätten die Forscher besser Kinder mit hohem Medienkonsum gegen Kinder mit viel Freizeitaktivitäten "antreten" lassen sollen. Das hätte mehr über die Medien an sich ausgesagt.

In eine ähnliche Kerbe schlägt hier der Vergleich eines brutalen Computerspieles gegen Tischtennis. Vor allem anderen muss die Frage gestattet sein, ob sich Pfeiffer hier strafbar gemacht hat, wenn er Kinder vor ein brutales Spiel setzt. Der jugendschutzwahn treibt meines Erachtens manch Blüte, doch jeder mit gesundem Menschenverstand weiss, dass Spiele für Erwachsene nicht in Kinderhände gehören. Da ich kaum glauben kann, dass die Forscher mit Pfeiffe so etwas machen, stellt sich gleich die Frage nach dem Raster. Mit anderen Worten: was verstehen die Forscher als brutal? Und auch hier wieder das Obst: brutales Computerspiel gegen harmlosen realen Zeitvertreib. Wie wäre es mit brutalem Computerspiel gegen Tetris oder Super Mario, also Medium gegen Medium?

Wer sich das antun will, und den Artikel liest, wird noch weit mehr entdecken, als ich jetzt gewillt bin aufzuzählen.

In jedem Fall zeigt die Studie mal wieder, dass man am besten sein Gehirn auf durchzug schalten sollte, wenn der Name Christian Pfeiffer auftaucht.

Übrigens: sein Institut arbeitet gerade an folgender (natürlich völlig "neutral") formulierten Arbeitsthese:
Übermäßiger Medienkonsum macht Kinder dick, krank, dumm, traurig - vielleicht auch aggressiv.

Soviel zu neutralität und wissenschaftlichkeit...

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Sonntag, 17. Februar 2008
Bloggen, Blogger und Antville
Eines muss ich ja als verwöhnter Wordpress-Nutzer einmal von der computer-angefüllten Seele tippen:

Im Verhältnis zu Wordpress kann Antville, die "Engine" hinter Blogger.de, wirklich nur mehr oder weniger abstinken.

Mich mögen jetzt sicher viele Fans genüsslich über die virtuellen Kohlen laufen lassen, doch denke ich, dass ein Editor zum Schreiben der Posts, bei dem man die wichtigsten HTML-Tags von Hand eingeben muss, einfach nicht mehr auf der Höhe der digitalen Zeit ist. Es mag vielleicht noch bei kursiv-Geschichten akzeptabel sein. Aber spätestens bei mehreren Links wird die Sache schon zeitaufwändig. Und nervig.

Antville ist garantiert eine kleine und feine Software, die wenig Platz verbraucht (Speicherplatz, Datenbank etc.). Und der technische Minimalismus ist an vielen Stellen sicherlich Gerechtifertigt. Ein paar neue Kleinigkeiten wären aber schon nicht schlecht.

Wie gesagt, ich wäre schon mit einem besseren Editor und Trackbacks glücklicher als ein Hund, dem man gerade einen saftigen Knochen vor die Schnauze geworfen hat.

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