Dienstag, 19. August 2008
The Dark Knight
Vor etwa zwei Jahren kam einmal der berüchtigte letzte Film der Batman-Reihe im Fernsehen. Inszeniert von Joel Schumacher präsentierte sich das bonbonbunt-dämliche Machwerk derart albern, dass ich einfach nicht länger als 15 Minuten zuschauen konnte. Als ich wegzappte wusste ich, warum Batman Tot war. Er war bedeutungslos geworden, dämlich, witzlos.
Doch wir kennen natürlich die Kinogeschichte und die Neuauferstehung von Batman durch Regisseur und Drehbuchautor Chrisopher Nolan, der mit Memento seinen Durchbruch feierte. Und ja, Batman Begins, war ein hervorragender Film, realistischer und näher an unserer Welt als jede andere Superhelden-Verfilmung davor. Konnte Nolan das noch toppen?
Ja.
The Dark Knight dürfte als der Klassiker der Reihe in die Geschichte eingehen, der aller Wahrscheinlichkeit nach vom dritten Teil einfach nicht getoppt werden dürfte. Zu gut ist die Geschichte, zu packend die Figuren, zu fesselnd das Drama und die Dilemmata. In dieser Hinsicht ziehe ich gut und gerne einen Vergleich von dieser neuen Batman-Reihe mit der alten Star Wars Reihe . Auch der erste Star Wars Film wurde zu einem Klassiker, auch wenn nicht zu meinem persönlichen. Der zweite Teil war in jedweder Hinsicht besser als der erste und wird zu Recht von vielen als den Besten aller Star Wars gelobt. (Was danach geschah, wissen wir dank diesem lächerlichen Zelluloid-Aufwasch namens „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ natürlich nur zu gut.)
Während Nolan mit Raz Algul im ersten Teil einen im verfilmten Batman-Universum gänzlich neuen Bösewicht ins Rennen schickte, so hat er dieses Mal einen guten Bekannten aus dem Grab geholt – The Joker. Und eines kann ich mit Fug und Recht behaupten: dieser Joker ist wahrlich der beste (Comic-)Bösewicht, den die Welt je gesehen hat. Die Darstellung von Heath Ledger stellt die von Jack Nicholson in jedweder Hinsicht in den Schatten und zeigt zumindest mir, dass der erste Joker eigentlich eine harmlose Witzfigur war. Dem alten Joker hätte ich gelegentlich widersprochen. Dem neuen nicht.
Und auch in der Positionierung der Figur geht Christopher Nolan einen konsequenten Weg. Denn dieser Joker hat keine Hintergrundgeschichte wie der Alte. Nolan verzichtet bewusst auf einen Versuch, diese Figur und ihre Vergangenheit zu erklären, so wie es Tim Burton getan hat. Im Gegenteil. Nolan entzieht uns bewusst jegliche Begründung für sein Verhalten, das in der Vergangenheit zu finden wäre. Er positioniert damit den Joker als genaue Antithese zu Batman, der gerade aus der Vergangenheit und seinem Trauma seines Alter Egos entstanden ist. In einer wunderbar intensiv gespielten Szene erfahren wir scheinbar, was diesen Menschen zum Joker machte, um nur wenig später eine völlig andere Geschichte zu hören. Diese Idee des Drehbuchs macht zwei Dinge deutlich: zum einen zeigt es einen Psychopaten der einfach „ist“ und es keine Rolle spielt wie er „wurde“. Und zum anderen zeigt uns der Drehbuchautor Nolan, dass er ohne Probleme uns irgendetwas hätte vorsetzen können, wenn er nur gewollt hätte.
Joker ist in diesem Film durch diese Reduktionen eine nahezu mystische Figur, eine reflektierte Fratze im Spiegel der Gesellschaft. Er ist das Chaos, die Perversität, die auf den zweiten Blick im kalten und wirtschaftlich-professionell wirkenden Gotham City offenbar wird und jedem mitreißen kann.
Dieser Aspekt wird durch Harvey Dent wunderbar verdeutlicht. Wie Joker in einer Szene sagt, braucht es dank der Schwerkraft oft nur einen kleinen Schubs, um etwas ins rollen zu bringen, und bei Dent hat der Schubs gewirkt. Ähnlich wie bei Bruce Wayne ist es der Verlust eines geliebten Menschen und die Machtlosigkeit, die ihn verändern. Im Gegensatz zu Bruce Wayne führt diese Veränderung aber zum Schlimmeren und zeigt, wie schnell Batman zu einem bösen hätte werden können. Harvey Dent ist damit nicht unbedingt eine Antithese, sondern eher ein Beispiel für ähnliche emotionale Wunden, die jedoch zu einem völlig anderen Ergebnis führen.
Bei der Figur von Harvey Dent / Two Face muss ich auch hier wieder eines festestellen: noch nie wirkte diese Figur so bedrohlich wie in Dark Knight. Vorbei ist die Zeit von lächerlichen Kostümen und einem übertriebenen kindischen Ansatz, diese Figur zum Leben zu erwecken. Vorbei auch dieses übertrieben dargestellte „Böse“, dem man seine Comic-Herkunft deutlich ansehen konnte. Was ich bereits über den Joker gemeint hat, gilt auch hier: dem Two Face von Tommy Lee Jones hätte ich wohl widersprochen. Diesem hier nicht.
Und auch in Bezug auf das Gesicht von Two Face ist Christopher Nolan zum Glück unglaublich konsequent. Wir kennen Two Face vor allem als jemanden, dessen eine Gesichtshälfte „etwas“ verunstaltet aussieht, sprich eine verätzte Haut besitzt. Dies ist natürlich sowohl den Comics geschuldet, die nicht zu „grafisch“ sein dürfen, als auch den alten Effekten und deren vergleichsweise begrenzten Möglichkeiten. Doch dank der Computertechnologie sehen wir nun einen wahrlich verunstalteten Two Face, ein Gesicht, das bis auf die Knochen heruntergebrannt ist. Es war tatsächlich ein kleiner Schock, dieses Gesicht zu erblicken, vor allem dann, wenn man eine bestimmte Erwartungshaltung diesbezüglich besitzt (angesengte Haut). Doch auch hier muss man sagen: es funktioniert, sowohl visuell als auch inhaltlich. Wenn Joker der äußere Spiegel ist, die weithin aufgemalte und sichtbare Fratze, so ist Two Face das in uns allen Verborgene; der grausame Teil, der in uns allen liegt. Am Ende könnte man auch verbilligt sagen: die visuell dargestellte Doppelmoral.
Und die Moral ist eines der Themen, das in die Geschichte von Dark Knight eingewoben ist. Der Spiegel namens Joker tötet und ist sadistisch in jedweder Hinsicht. Aber gleichzeitig heckt er so ausgefallene und durchdachte Pläne aus, um den Menschen vor allem eines zu zeigen: bei der geringsten Eruption lassen sie ihre Ansichten auf dem Scheiterhaufen der Geschichte zurück um auch zu gnadenlosen Monstern zu werden. Die Geschichte mit dem Hospital, die Sache mit den Fähren. All das sind wunderbare Kunststücke Jokers, die aus der Forschungsabteilung einer Universität der Sozialforschung hätten stammen können. Und in dieser Hinsicht begibt sich dieser neue Film endgültig in eine neue Sphäre vor, in die sich sonst keine Superhelden-Verfilmung gewagt hat: er hat echte Konflikte und echte Dilemmata. Batman ist jemand, der außerhalb des Gesetzes steht, aber auch er hat Prinzipien. Soll er sie vergessen? Wen soll er retten? Soll er sich ergeben, um Menschenleben zu retten? Soll er töten, oder gar foltern?
So viele kleine und große Unsicherheiten hat es in keinem Blockbusterfilm davor jemals gegeben. Es gab, wie zum Beispiel in Matrix, immer eine klare Seite, die es zu besiegen galt. Das stimmt natürlich auch für diesen Film. Aber die andere Seite kann hier nicht besiegt werden, egal was der Held Batman auch versucht. Er kann den Untergang scheinbar nur herauszögern, das Böse nur temporär verschwinden lassen und wirkt dadurch verletzlicher und auch kleiner als alle anderen Helden vor ihm. Wir haben hier definitiv keinen langweilig strahlenden Superman. Während bei diesem die Welt am Ende mehr oder weniger in Ordnung ist, so bleibt am Ende von Dark Knight niemand unbeschadet zurück. Jeder hat etwas verloren und der scheinbare Sieg ist so hohl wie in sonst keinem Film in diesen Tagen. Er lässt einen zurück mit einem gefallenen Helden, der das Richtige getan hat und doch auf der anderen Seite steht. Alleingelassen von der Gesellschaft die er zu retten versuchte. Joker hat wahrlich ganze Arbeit geleistet.
Betrachtet man sich den Film im Kontext der Filmindustrie dann kann einem Hollywood im Moment eigentlich nur leid tun - und sich gleichzeitig dabei freuen. Denn der Film und sein unglaublicher Erfolg müsste den Produzenten eines klar machen: die Menschen wollen packende und auch fordernde Filme sehen. Mehr noch, sie scheinen förmlich danach zu hungern. Was das Fernsehen bereits seit mehreren Jahren praktiziert, nämlich so gut es geht so gute Geschichten wie möglich zu verfilmen, könnte also auch bald im Kino wieder Realität werden. Und über diese Aussicht können wir uns doch nur freuen. Aber wie bereits gesagt, kann einem Hollywood im Moment leid tun. Denn Dark Knight wird einen langen und dunklen Schatten nach sich ziehen. Jeder größere Film, sprich Blockbuster, wird sich ab sofort an diesem Film messen lassen müssen. Vergleicht man rückblickend Iron Man und den unglaublichen Hulk mit Nolans Werk, dann wirken die beiden flach und trotz ihrer guten Drehbücher nicht ansatzweise so interessant oder fordernd wie Dark Knight. Und dies gilt meines Erachtens auch für die X-Men-Verfilmungen, die ja eigentlich gerade solche Dilemmas und Dramen hätten aufzeigen können, aber dieses Versprechen nur begrenzt eingelöst haben.
Dieser Film ist vielleicht wegweisend für die Industrie, aber in jedem Fall einer der besten Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Die beste Comicverfilmung ist er allemal. Fordernd, gnadenlos, konsequent. Christopher Nolan hat mit The Dark Knight ein Film abgeliefert, den man gesehen haben muss.
Doch wir kennen natürlich die Kinogeschichte und die Neuauferstehung von Batman durch Regisseur und Drehbuchautor Chrisopher Nolan, der mit Memento seinen Durchbruch feierte. Und ja, Batman Begins, war ein hervorragender Film, realistischer und näher an unserer Welt als jede andere Superhelden-Verfilmung davor. Konnte Nolan das noch toppen?
Ja.
The Dark Knight dürfte als der Klassiker der Reihe in die Geschichte eingehen, der aller Wahrscheinlichkeit nach vom dritten Teil einfach nicht getoppt werden dürfte. Zu gut ist die Geschichte, zu packend die Figuren, zu fesselnd das Drama und die Dilemmata. In dieser Hinsicht ziehe ich gut und gerne einen Vergleich von dieser neuen Batman-Reihe mit der alten Star Wars Reihe . Auch der erste Star Wars Film wurde zu einem Klassiker, auch wenn nicht zu meinem persönlichen. Der zweite Teil war in jedweder Hinsicht besser als der erste und wird zu Recht von vielen als den Besten aller Star Wars gelobt. (Was danach geschah, wissen wir dank diesem lächerlichen Zelluloid-Aufwasch namens „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ natürlich nur zu gut.)
Während Nolan mit Raz Algul im ersten Teil einen im verfilmten Batman-Universum gänzlich neuen Bösewicht ins Rennen schickte, so hat er dieses Mal einen guten Bekannten aus dem Grab geholt – The Joker. Und eines kann ich mit Fug und Recht behaupten: dieser Joker ist wahrlich der beste (Comic-)Bösewicht, den die Welt je gesehen hat. Die Darstellung von Heath Ledger stellt die von Jack Nicholson in jedweder Hinsicht in den Schatten und zeigt zumindest mir, dass der erste Joker eigentlich eine harmlose Witzfigur war. Dem alten Joker hätte ich gelegentlich widersprochen. Dem neuen nicht.
Und auch in der Positionierung der Figur geht Christopher Nolan einen konsequenten Weg. Denn dieser Joker hat keine Hintergrundgeschichte wie der Alte. Nolan verzichtet bewusst auf einen Versuch, diese Figur und ihre Vergangenheit zu erklären, so wie es Tim Burton getan hat. Im Gegenteil. Nolan entzieht uns bewusst jegliche Begründung für sein Verhalten, das in der Vergangenheit zu finden wäre. Er positioniert damit den Joker als genaue Antithese zu Batman, der gerade aus der Vergangenheit und seinem Trauma seines Alter Egos entstanden ist. In einer wunderbar intensiv gespielten Szene erfahren wir scheinbar, was diesen Menschen zum Joker machte, um nur wenig später eine völlig andere Geschichte zu hören. Diese Idee des Drehbuchs macht zwei Dinge deutlich: zum einen zeigt es einen Psychopaten der einfach „ist“ und es keine Rolle spielt wie er „wurde“. Und zum anderen zeigt uns der Drehbuchautor Nolan, dass er ohne Probleme uns irgendetwas hätte vorsetzen können, wenn er nur gewollt hätte.
Joker ist in diesem Film durch diese Reduktionen eine nahezu mystische Figur, eine reflektierte Fratze im Spiegel der Gesellschaft. Er ist das Chaos, die Perversität, die auf den zweiten Blick im kalten und wirtschaftlich-professionell wirkenden Gotham City offenbar wird und jedem mitreißen kann.
Dieser Aspekt wird durch Harvey Dent wunderbar verdeutlicht. Wie Joker in einer Szene sagt, braucht es dank der Schwerkraft oft nur einen kleinen Schubs, um etwas ins rollen zu bringen, und bei Dent hat der Schubs gewirkt. Ähnlich wie bei Bruce Wayne ist es der Verlust eines geliebten Menschen und die Machtlosigkeit, die ihn verändern. Im Gegensatz zu Bruce Wayne führt diese Veränderung aber zum Schlimmeren und zeigt, wie schnell Batman zu einem bösen hätte werden können. Harvey Dent ist damit nicht unbedingt eine Antithese, sondern eher ein Beispiel für ähnliche emotionale Wunden, die jedoch zu einem völlig anderen Ergebnis führen.
Bei der Figur von Harvey Dent / Two Face muss ich auch hier wieder eines festestellen: noch nie wirkte diese Figur so bedrohlich wie in Dark Knight. Vorbei ist die Zeit von lächerlichen Kostümen und einem übertriebenen kindischen Ansatz, diese Figur zum Leben zu erwecken. Vorbei auch dieses übertrieben dargestellte „Böse“, dem man seine Comic-Herkunft deutlich ansehen konnte. Was ich bereits über den Joker gemeint hat, gilt auch hier: dem Two Face von Tommy Lee Jones hätte ich wohl widersprochen. Diesem hier nicht.
Und auch in Bezug auf das Gesicht von Two Face ist Christopher Nolan zum Glück unglaublich konsequent. Wir kennen Two Face vor allem als jemanden, dessen eine Gesichtshälfte „etwas“ verunstaltet aussieht, sprich eine verätzte Haut besitzt. Dies ist natürlich sowohl den Comics geschuldet, die nicht zu „grafisch“ sein dürfen, als auch den alten Effekten und deren vergleichsweise begrenzten Möglichkeiten. Doch dank der Computertechnologie sehen wir nun einen wahrlich verunstalteten Two Face, ein Gesicht, das bis auf die Knochen heruntergebrannt ist. Es war tatsächlich ein kleiner Schock, dieses Gesicht zu erblicken, vor allem dann, wenn man eine bestimmte Erwartungshaltung diesbezüglich besitzt (angesengte Haut). Doch auch hier muss man sagen: es funktioniert, sowohl visuell als auch inhaltlich. Wenn Joker der äußere Spiegel ist, die weithin aufgemalte und sichtbare Fratze, so ist Two Face das in uns allen Verborgene; der grausame Teil, der in uns allen liegt. Am Ende könnte man auch verbilligt sagen: die visuell dargestellte Doppelmoral.
Und die Moral ist eines der Themen, das in die Geschichte von Dark Knight eingewoben ist. Der Spiegel namens Joker tötet und ist sadistisch in jedweder Hinsicht. Aber gleichzeitig heckt er so ausgefallene und durchdachte Pläne aus, um den Menschen vor allem eines zu zeigen: bei der geringsten Eruption lassen sie ihre Ansichten auf dem Scheiterhaufen der Geschichte zurück um auch zu gnadenlosen Monstern zu werden. Die Geschichte mit dem Hospital, die Sache mit den Fähren. All das sind wunderbare Kunststücke Jokers, die aus der Forschungsabteilung einer Universität der Sozialforschung hätten stammen können. Und in dieser Hinsicht begibt sich dieser neue Film endgültig in eine neue Sphäre vor, in die sich sonst keine Superhelden-Verfilmung gewagt hat: er hat echte Konflikte und echte Dilemmata. Batman ist jemand, der außerhalb des Gesetzes steht, aber auch er hat Prinzipien. Soll er sie vergessen? Wen soll er retten? Soll er sich ergeben, um Menschenleben zu retten? Soll er töten, oder gar foltern?
So viele kleine und große Unsicherheiten hat es in keinem Blockbusterfilm davor jemals gegeben. Es gab, wie zum Beispiel in Matrix, immer eine klare Seite, die es zu besiegen galt. Das stimmt natürlich auch für diesen Film. Aber die andere Seite kann hier nicht besiegt werden, egal was der Held Batman auch versucht. Er kann den Untergang scheinbar nur herauszögern, das Böse nur temporär verschwinden lassen und wirkt dadurch verletzlicher und auch kleiner als alle anderen Helden vor ihm. Wir haben hier definitiv keinen langweilig strahlenden Superman. Während bei diesem die Welt am Ende mehr oder weniger in Ordnung ist, so bleibt am Ende von Dark Knight niemand unbeschadet zurück. Jeder hat etwas verloren und der scheinbare Sieg ist so hohl wie in sonst keinem Film in diesen Tagen. Er lässt einen zurück mit einem gefallenen Helden, der das Richtige getan hat und doch auf der anderen Seite steht. Alleingelassen von der Gesellschaft die er zu retten versuchte. Joker hat wahrlich ganze Arbeit geleistet.
Betrachtet man sich den Film im Kontext der Filmindustrie dann kann einem Hollywood im Moment eigentlich nur leid tun - und sich gleichzeitig dabei freuen. Denn der Film und sein unglaublicher Erfolg müsste den Produzenten eines klar machen: die Menschen wollen packende und auch fordernde Filme sehen. Mehr noch, sie scheinen förmlich danach zu hungern. Was das Fernsehen bereits seit mehreren Jahren praktiziert, nämlich so gut es geht so gute Geschichten wie möglich zu verfilmen, könnte also auch bald im Kino wieder Realität werden. Und über diese Aussicht können wir uns doch nur freuen. Aber wie bereits gesagt, kann einem Hollywood im Moment leid tun. Denn Dark Knight wird einen langen und dunklen Schatten nach sich ziehen. Jeder größere Film, sprich Blockbuster, wird sich ab sofort an diesem Film messen lassen müssen. Vergleicht man rückblickend Iron Man und den unglaublichen Hulk mit Nolans Werk, dann wirken die beiden flach und trotz ihrer guten Drehbücher nicht ansatzweise so interessant oder fordernd wie Dark Knight. Und dies gilt meines Erachtens auch für die X-Men-Verfilmungen, die ja eigentlich gerade solche Dilemmas und Dramen hätten aufzeigen können, aber dieses Versprechen nur begrenzt eingelöst haben.
Dieser Film ist vielleicht wegweisend für die Industrie, aber in jedem Fall einer der besten Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Die beste Comicverfilmung ist er allemal. Fordernd, gnadenlos, konsequent. Christopher Nolan hat mit The Dark Knight ein Film abgeliefert, den man gesehen haben muss.
punkter, 23:37h
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Sonntag, 15. Juni 2008
Kindergarten Europa
Ich glaube, wenn die Iren geahnt hätten, was für ein Erdbeben ihr "kleines" Nein zum Vertrag von Lissabon auslöst, sie hätten es erst recht gemacht.
Ich frage mich seit den Ergebnissen ja wirklich, was das mit mit Europa eigentlich noch soll, wenn die Politiker aller konsorten mit immer wahnwitzigeren Ideen daherkommen, um den Vertrag doch noch durchzupeitschen.
Der eine meint, Irland solle einfach aus Europa rausgeschmissen werden, der andere will noch einmal abstimmen lassen (bzw. so lange, bis es ein JA ist), wieder andere wollen das Ergebnis einfach ignorieren. Das ist Demokratie ein Reinkultur im Sinne von George W. Bush. Und ein Garant dafür, dass die Meinung zu Europa und ihren Vertretern nicht unbedingt besser wird.
Eine meines Erachtens wunderbar schöne Aussage in diesem Nachbeben ist, dass die Leute den Vertrag einfach nicht verstanden und darum mit Nein gestimmt hätten. Spätestens hier habe ich mich gefragt, ob das nur ein kleiner Witz am Rande oder wirklich ernst gemeint war. Da wird zuerst die Verfassung von Frankreich et al. abgeschmettert. Danach wird das Ding genommen, so umformuliert, dass nich einmal ein Harvard-Student da durchblickt und zu guter letzt als "Vertrag" tituliert. Warum? Bei einem Vertrag muss das Volk nicht entscheiden. Die Chance, dass der "Vertrag" also durchkommt, ist wesentlich höher.
Das, meine Leser, ist Europa in Reinkultur. Was mich besonders erstaunt hat, war, dass in Deutschland das Ding bereits vom Parlament ratifiziert wurde. Vielleicht kann mir da jemand auf die Sprünge helfen, wann das genau war, denn ich habe in den Nachrichten nichts dergleichen mitbekommen. Schon komisch das ganze. Vielleicht schien mir das Wörtchen "Vertrag" aber auch einfach nicht wichtig genug.
Wie es jetzt weitergeht, wissen wohl nicht einmal die Herren in Europa, die sich im Moment wohl nichts sehnlicher wünschen, als ein neues Volk. Kein Volk, das ihren "Vertretern" bei einem bürokratischem und unverständluchem Gefasel den Mittelfinger zeigt, sondern ein Volk, das allem zustimmt.
Ach übrigens: das Geschwafel von Schäuble glaub ich, ist auch mal wieder ein wunderbares Stück von Arroganz gepaart mit scheinbarem Unwissen. Der meinte doch allen ernstes, dass ein paar Millionen nicht über 400 Millionen entscheiden können, die doch hinter dem Vertrag stehen. Wenn wir die 400 Millionen nehmen und mal durch 50.0000 teilen, dürften wir der Wahrheit mit 8.000 Parlamentariern schon näher kommen. Insofern hat die weit größere Mehrheit entschieden.
Eines zeigt dieses Beben nach dem Nein allemal: Europa ist endgültig zu einem Kindergarten geworden.
Ich frage mich seit den Ergebnissen ja wirklich, was das mit mit Europa eigentlich noch soll, wenn die Politiker aller konsorten mit immer wahnwitzigeren Ideen daherkommen, um den Vertrag doch noch durchzupeitschen.
Der eine meint, Irland solle einfach aus Europa rausgeschmissen werden, der andere will noch einmal abstimmen lassen (bzw. so lange, bis es ein JA ist), wieder andere wollen das Ergebnis einfach ignorieren. Das ist Demokratie ein Reinkultur im Sinne von George W. Bush. Und ein Garant dafür, dass die Meinung zu Europa und ihren Vertretern nicht unbedingt besser wird.
Eine meines Erachtens wunderbar schöne Aussage in diesem Nachbeben ist, dass die Leute den Vertrag einfach nicht verstanden und darum mit Nein gestimmt hätten. Spätestens hier habe ich mich gefragt, ob das nur ein kleiner Witz am Rande oder wirklich ernst gemeint war. Da wird zuerst die Verfassung von Frankreich et al. abgeschmettert. Danach wird das Ding genommen, so umformuliert, dass nich einmal ein Harvard-Student da durchblickt und zu guter letzt als "Vertrag" tituliert. Warum? Bei einem Vertrag muss das Volk nicht entscheiden. Die Chance, dass der "Vertrag" also durchkommt, ist wesentlich höher.
Das, meine Leser, ist Europa in Reinkultur. Was mich besonders erstaunt hat, war, dass in Deutschland das Ding bereits vom Parlament ratifiziert wurde. Vielleicht kann mir da jemand auf die Sprünge helfen, wann das genau war, denn ich habe in den Nachrichten nichts dergleichen mitbekommen. Schon komisch das ganze. Vielleicht schien mir das Wörtchen "Vertrag" aber auch einfach nicht wichtig genug.
Wie es jetzt weitergeht, wissen wohl nicht einmal die Herren in Europa, die sich im Moment wohl nichts sehnlicher wünschen, als ein neues Volk. Kein Volk, das ihren "Vertretern" bei einem bürokratischem und unverständluchem Gefasel den Mittelfinger zeigt, sondern ein Volk, das allem zustimmt.
Ach übrigens: das Geschwafel von Schäuble glaub ich, ist auch mal wieder ein wunderbares Stück von Arroganz gepaart mit scheinbarem Unwissen. Der meinte doch allen ernstes, dass ein paar Millionen nicht über 400 Millionen entscheiden können, die doch hinter dem Vertrag stehen. Wenn wir die 400 Millionen nehmen und mal durch 50.0000 teilen, dürften wir der Wahrheit mit 8.000 Parlamentariern schon näher kommen. Insofern hat die weit größere Mehrheit entschieden.
Eines zeigt dieses Beben nach dem Nein allemal: Europa ist endgültig zu einem Kindergarten geworden.
punkter, 11:03h
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Mittwoch, 19. März 2008
Bin ich jetzt in der Irrenanstalt? Das BGH und die FAZ
Ist es amtlich? Bin ich gestern eingeschlafen und heute in der Irrenanstalt namens Erde 2 aufgewacht?
Heute hat das BGH eine Vorab"entscheidung" bezüglich der Vorratsdatenspeicherung vorgenommen, wonach es im Moment noch grundästzlich erlaubt ist, die Daten zu erheben, doch diese nur bei wirklich schweren Strafen rausgegeben werden dürfen.
Und was schreibt die FAZ dazu? „Sauger“ haben freie Bahn. Anstatt darüber zu sinnieren, was diese Entscheidung für die Bürgerrechte bedeutet, fällt dem Autor Marco Dettweiler nichts anderes ein, als über Tauschbörsen und die Musikindustrie zu schreiben.
Ich muss ehrlich zugeben, dass ich zweimal hinschauen musste, denn normalerweise wird so etwas nur in der Süddeutschen geschrieben.
Mir fehlen aber trotzdem die Worte...
Heute hat das BGH eine Vorab"entscheidung" bezüglich der Vorratsdatenspeicherung vorgenommen, wonach es im Moment noch grundästzlich erlaubt ist, die Daten zu erheben, doch diese nur bei wirklich schweren Strafen rausgegeben werden dürfen.
Und was schreibt die FAZ dazu? „Sauger“ haben freie Bahn. Anstatt darüber zu sinnieren, was diese Entscheidung für die Bürgerrechte bedeutet, fällt dem Autor Marco Dettweiler nichts anderes ein, als über Tauschbörsen und die Musikindustrie zu schreiben.
Ich muss ehrlich zugeben, dass ich zweimal hinschauen musste, denn normalerweise wird so etwas nur in der Süddeutschen geschrieben.
Mir fehlen aber trotzdem die Worte...
punkter, 23:16h
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Mittwoch, 12. März 2008
Einmal Nachsitzen für Politiker
Ich liebe das Bundesverfassungsgericht.
Nicht nur haben sie die Onlinedurchsuchung in ihrer jetzigen Planung bereits zerbröselt, nein sie haben das gleiche auch mit der unbegründeten Erfassung von Autokennzeichen gemacht.
Zwei Urteile in wenigen Wochen, die Schäuble mal so richtig auf die rollenden Eier gehen dürften.
Das BGH hat mit diesem Urteil mal wieder bewiesen, dass die Volksvertreter es durchaus gut meinen, aber ansonsten von Tuten und Blasen keine Ahnung zu haben scheinen.
Grundsätzlich ist das ja auch kein Problem, man kann nicht alles wissen. Aber wenn es um das grunsätzliche Grundgesetz geht, also die Basis von allem, dann müsste man schon erwarten können, dass diese Menschen das GG im Schlaf auswendig herunterbeten können. Also ne Art Mitternachts-Büchlein.
Vielleicht wäre es auch einfach mal an der Zeit, dass alle Politiker verpflichtend in die Nachhilfe "Das Grundgesetz für Dummies" gehen müssen. Oder es sollte ein Fragebogen existieren, der vor dem Schwur zunächst einmal abprüft ob die Leute überhaupt für etwas derartig Verantwortungsvolles geeignet sind.
Aber das sind nur meine Ideen...
Nicht nur haben sie die Onlinedurchsuchung in ihrer jetzigen Planung bereits zerbröselt, nein sie haben das gleiche auch mit der unbegründeten Erfassung von Autokennzeichen gemacht.
Zwei Urteile in wenigen Wochen, die Schäuble mal so richtig auf die rollenden Eier gehen dürften.
Das BGH hat mit diesem Urteil mal wieder bewiesen, dass die Volksvertreter es durchaus gut meinen, aber ansonsten von Tuten und Blasen keine Ahnung zu haben scheinen.
Grundsätzlich ist das ja auch kein Problem, man kann nicht alles wissen. Aber wenn es um das grunsätzliche Grundgesetz geht, also die Basis von allem, dann müsste man schon erwarten können, dass diese Menschen das GG im Schlaf auswendig herunterbeten können. Also ne Art Mitternachts-Büchlein.
Vielleicht wäre es auch einfach mal an der Zeit, dass alle Politiker verpflichtend in die Nachhilfe "Das Grundgesetz für Dummies" gehen müssen. Oder es sollte ein Fragebogen existieren, der vor dem Schwur zunächst einmal abprüft ob die Leute überhaupt für etwas derartig Verantwortungsvolles geeignet sind.
Aber das sind nur meine Ideen...
punkter, 00:22h
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Donnerstag, 6. März 2008
Adieu, mein Bublath
Da sieht man mal, wie schnell man etwas verpassen kann. Denn wenn ich die schwarzgedruckten Buchstaben auf Spiegel Online richtig interpretiere, dann ist Joachim Bublath am gestrigen Mittwoch in Rente gegangen.
So sehr ich den Kokser von schwarzen Löchern auch mag, muss ich leider sagen, dass es auch an der Zeit war, denn Bublath hat für mich am Ende nicht mehr den Wissenschaftler, sondern eher das Öffentlich-Rechtliche "vertreten".
Ich kann mich noch gut erinnern, als ich ihn das erste Mal gesehen habe. Da ging es um schwarze Löcher, Super-Novae, Gravitaion und noch mehr - und meine Mutter musste mich schon mit einer gehörigen Portion Photonen von der Glotze locken. Damals war für mich das Zeugs so neu, dass es spannend war.
Und da finden die Probleme für mich, bzw. den Gummiballwerfer Bublath an. Denn irgendwann habe ich dank ihm das Wichtigste über die bekanntesten Weltraumfurzer und dem Licht dazu gewusst. Joachim Bublath jedoch schien es immer wieder zu vergessen. Jahrein und jahraus brachte er immer wieder seine schwarzen Löcher und er hat auch ums Verecken immer die gleichen billig gemachten Filmchen und Demonstrationen gezeigt, als ob die Lizenzgebühr sonst zu hoch wäre oder der Computer fürs Animieren noch nicht gekauft wurde.
Seine staubtrockene Art atakanischen Ausmasses mag in den 80ern und 90ern noch kultig gewesen sein. In der Zukunft namens heute jedoch wirkte er für mich wie eine Einschlaftablette auf zuviel MCQuadrat gefangen in einer ständigen Feedbackschleife. Das war am Ende nicht mehr nur zwischen den Sendungen so, sondern sogar schon innerhalb JEDER Sendung.
Da steht der Bublath im Studio oder auf dem Vulkan und labert über irgendein Thema, erklärt es. Dann geht der Film los. Und was passiert? Die gleiche Sosse wird in dem genau gleichen Wortlaut noch einmal heruntergebetet. Nur halt mit anderen Bildchen oder schlechteren Animationen. Das ging mir irgendwann so auf den quantenmechanischen Senkel, dass ich schlicht entschieden habe abzuschalten und darauf zu warten, dass ein paar Aliens mir was neues beibiegen mögen.
Und was kann ich sagen, sie haben es tatsächlich getan. Jedem, der auch nur einen Hauch von Einstein in seiner Zunge hat, sollte doch bitteschön die englische/amerikanische Doku "Was Einstein noch nicht wusste" anschauen. In drei Folgen á 45 Minuten hat mir dieser Professor Sowieso mit Witz, etwas Geschichte und tollen Ideen die Relativitätstheorie, die Quantenphysik und sogar die Stringtheorie erklärt.
Ich glaube, dass Joachim Bublath dafür schon zwei Jahrhunderte gebraucht hätte.
So sehr ich den Kokser von schwarzen Löchern auch mag, muss ich leider sagen, dass es auch an der Zeit war, denn Bublath hat für mich am Ende nicht mehr den Wissenschaftler, sondern eher das Öffentlich-Rechtliche "vertreten".
Ich kann mich noch gut erinnern, als ich ihn das erste Mal gesehen habe. Da ging es um schwarze Löcher, Super-Novae, Gravitaion und noch mehr - und meine Mutter musste mich schon mit einer gehörigen Portion Photonen von der Glotze locken. Damals war für mich das Zeugs so neu, dass es spannend war.
Und da finden die Probleme für mich, bzw. den Gummiballwerfer Bublath an. Denn irgendwann habe ich dank ihm das Wichtigste über die bekanntesten Weltraumfurzer und dem Licht dazu gewusst. Joachim Bublath jedoch schien es immer wieder zu vergessen. Jahrein und jahraus brachte er immer wieder seine schwarzen Löcher und er hat auch ums Verecken immer die gleichen billig gemachten Filmchen und Demonstrationen gezeigt, als ob die Lizenzgebühr sonst zu hoch wäre oder der Computer fürs Animieren noch nicht gekauft wurde.
Seine staubtrockene Art atakanischen Ausmasses mag in den 80ern und 90ern noch kultig gewesen sein. In der Zukunft namens heute jedoch wirkte er für mich wie eine Einschlaftablette auf zuviel MCQuadrat gefangen in einer ständigen Feedbackschleife. Das war am Ende nicht mehr nur zwischen den Sendungen so, sondern sogar schon innerhalb JEDER Sendung.
Da steht der Bublath im Studio oder auf dem Vulkan und labert über irgendein Thema, erklärt es. Dann geht der Film los. Und was passiert? Die gleiche Sosse wird in dem genau gleichen Wortlaut noch einmal heruntergebetet. Nur halt mit anderen Bildchen oder schlechteren Animationen. Das ging mir irgendwann so auf den quantenmechanischen Senkel, dass ich schlicht entschieden habe abzuschalten und darauf zu warten, dass ein paar Aliens mir was neues beibiegen mögen.
Und was kann ich sagen, sie haben es tatsächlich getan. Jedem, der auch nur einen Hauch von Einstein in seiner Zunge hat, sollte doch bitteschön die englische/amerikanische Doku "Was Einstein noch nicht wusste" anschauen. In drei Folgen á 45 Minuten hat mir dieser Professor Sowieso mit Witz, etwas Geschichte und tollen Ideen die Relativitätstheorie, die Quantenphysik und sogar die Stringtheorie erklärt.
Ich glaube, dass Joachim Bublath dafür schon zwei Jahrhunderte gebraucht hätte.
punkter, 15:38h
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