... newer stories
Montag, 18. Februar 2008
Zocken macht Doof
Man mag mich masochistisch nennen, aber ich lese tatsächlich gelegentlich die Online-Version der Sueddeutschen Zeitung, um deren Ergüsse in ihrem Kreuzzug gegen das Internet und alles Moderne zu verfolgen.
Nun ist es wieder soweit. Dieses Mal ist es nicht das Netz mit uns Bloggern sondern Computerspiele und das veraltete Fernsehen, wobei die Sueddeutsche "nur" eine Studie zitiert.
Die üblichen Verdächtigen? Ja. Christian Pfeiffer, der konservative Knochen, der von Computerspielen so viel praktische Erfahrung wie ich vom Fliegen habe, hat mal wieder eine draufgeleft - also eine Studie. Und von dem, was ich auf der Sueddeutschen UnZeitung gelesen habe, ist es mal wieder ein typischer geistiger Erguss von typischer Qualität: im Ansatz gut gemeint , in der Durchführung und Interpretation aber soweit daneben, dass die schon genau gezielt haben müssen.
Denn was kam bei der Studie mit dem Titel "Die Pisa-Verlierer - Opfer ihres Medienkonsums" raus? Wer seine Zeit mit etwas anderem als mit lernen verbringt hat schlechtere Noten. OK, so steht es dort nicht (aber das Prinzip ist das gleiche): wer Daddelt/Zockt, ist schlechter. Dass sich der Medienkonsum, der Zeit kostet, natürlich auf die Lernzeit aufwirkt und damit die Noten verschlechtert, ist an sich logisch.
Eines muss ich aber schon sagen: der mit bedacht gewählte polemische Titel ist mal wieder bezeichnend. Die Schüler haben nur deswegen so schlecht abgeschnitten, weil sie Medien konsumieren. Im Klammern könnte hier auch stehen, dass in den guten alten Zeiten die Medien nicht so verbreitet waren und damit alles besser.
Weiterhin erscheint mit dieses Ding als ein zusammengeklaustertes Ding, dass vor allem die Weltanschauung von Pfeiffer unterstützen soll. Denn was soll man davon halten, dass zum Beispiel Äpfel mit Birnen verglichen werden? Ein Kind dass viel Medien konsumiert gegen ein Kind das wenig konsumiert. Das mag auf den ersten Blick logisch erscheinen geht aber am Kernthema vorbei: Zeitverschwendung. Insofern hätten die Forscher besser Kinder mit hohem Medienkonsum gegen Kinder mit viel Freizeitaktivitäten "antreten" lassen sollen. Das hätte mehr über die Medien an sich ausgesagt.
In eine ähnliche Kerbe schlägt hier der Vergleich eines brutalen Computerspieles gegen Tischtennis. Vor allem anderen muss die Frage gestattet sein, ob sich Pfeiffer hier strafbar gemacht hat, wenn er Kinder vor ein brutales Spiel setzt. Der jugendschutzwahn treibt meines Erachtens manch Blüte, doch jeder mit gesundem Menschenverstand weiss, dass Spiele für Erwachsene nicht in Kinderhände gehören. Da ich kaum glauben kann, dass die Forscher mit Pfeiffe so etwas machen, stellt sich gleich die Frage nach dem Raster. Mit anderen Worten: was verstehen die Forscher als brutal? Und auch hier wieder das Obst: brutales Computerspiel gegen harmlosen realen Zeitvertreib. Wie wäre es mit brutalem Computerspiel gegen Tetris oder Super Mario, also Medium gegen Medium?
Wer sich das antun will, und den Artikel liest, wird noch weit mehr entdecken, als ich jetzt gewillt bin aufzuzählen.
In jedem Fall zeigt die Studie mal wieder, dass man am besten sein Gehirn auf durchzug schalten sollte, wenn der Name Christian Pfeiffer auftaucht.
Übrigens: sein Institut arbeitet gerade an folgender (natürlich völlig "neutral") formulierten Arbeitsthese:
Übermäßiger Medienkonsum macht Kinder dick, krank, dumm, traurig - vielleicht auch aggressiv.
Soviel zu neutralität und wissenschaftlichkeit...
Nun ist es wieder soweit. Dieses Mal ist es nicht das Netz mit uns Bloggern sondern Computerspiele und das veraltete Fernsehen, wobei die Sueddeutsche "nur" eine Studie zitiert.
Die üblichen Verdächtigen? Ja. Christian Pfeiffer, der konservative Knochen, der von Computerspielen so viel praktische Erfahrung wie ich vom Fliegen habe, hat mal wieder eine draufgeleft - also eine Studie. Und von dem, was ich auf der Sueddeutschen UnZeitung gelesen habe, ist es mal wieder ein typischer geistiger Erguss von typischer Qualität: im Ansatz gut gemeint , in der Durchführung und Interpretation aber soweit daneben, dass die schon genau gezielt haben müssen.
Denn was kam bei der Studie mit dem Titel "Die Pisa-Verlierer - Opfer ihres Medienkonsums" raus? Wer seine Zeit mit etwas anderem als mit lernen verbringt hat schlechtere Noten. OK, so steht es dort nicht (aber das Prinzip ist das gleiche): wer Daddelt/Zockt, ist schlechter. Dass sich der Medienkonsum, der Zeit kostet, natürlich auf die Lernzeit aufwirkt und damit die Noten verschlechtert, ist an sich logisch.
Eines muss ich aber schon sagen: der mit bedacht gewählte polemische Titel ist mal wieder bezeichnend. Die Schüler haben nur deswegen so schlecht abgeschnitten, weil sie Medien konsumieren. Im Klammern könnte hier auch stehen, dass in den guten alten Zeiten die Medien nicht so verbreitet waren und damit alles besser.
Weiterhin erscheint mit dieses Ding als ein zusammengeklaustertes Ding, dass vor allem die Weltanschauung von Pfeiffer unterstützen soll. Denn was soll man davon halten, dass zum Beispiel Äpfel mit Birnen verglichen werden? Ein Kind dass viel Medien konsumiert gegen ein Kind das wenig konsumiert. Das mag auf den ersten Blick logisch erscheinen geht aber am Kernthema vorbei: Zeitverschwendung. Insofern hätten die Forscher besser Kinder mit hohem Medienkonsum gegen Kinder mit viel Freizeitaktivitäten "antreten" lassen sollen. Das hätte mehr über die Medien an sich ausgesagt.
In eine ähnliche Kerbe schlägt hier der Vergleich eines brutalen Computerspieles gegen Tischtennis. Vor allem anderen muss die Frage gestattet sein, ob sich Pfeiffer hier strafbar gemacht hat, wenn er Kinder vor ein brutales Spiel setzt. Der jugendschutzwahn treibt meines Erachtens manch Blüte, doch jeder mit gesundem Menschenverstand weiss, dass Spiele für Erwachsene nicht in Kinderhände gehören. Da ich kaum glauben kann, dass die Forscher mit Pfeiffe so etwas machen, stellt sich gleich die Frage nach dem Raster. Mit anderen Worten: was verstehen die Forscher als brutal? Und auch hier wieder das Obst: brutales Computerspiel gegen harmlosen realen Zeitvertreib. Wie wäre es mit brutalem Computerspiel gegen Tetris oder Super Mario, also Medium gegen Medium?
Wer sich das antun will, und den Artikel liest, wird noch weit mehr entdecken, als ich jetzt gewillt bin aufzuzählen.
In jedem Fall zeigt die Studie mal wieder, dass man am besten sein Gehirn auf durchzug schalten sollte, wenn der Name Christian Pfeiffer auftaucht.
Übrigens: sein Institut arbeitet gerade an folgender (natürlich völlig "neutral") formulierten Arbeitsthese:
Übermäßiger Medienkonsum macht Kinder dick, krank, dumm, traurig - vielleicht auch aggressiv.
Soviel zu neutralität und wissenschaftlichkeit...
punkter, 10:10h
... link (0 Kommentare) ... comment
... older stories
Archiv
Februar 2008 |
||||||
Mo |
Di |
Mi |
Do |
Fr |
Sa |
So |
1 |
2 |
3 |
||||
4 |
5 |
6 |
7 |
8 |
9 |
10 |
11 |
12 |
13 |
14 |
15 |
||
19 |
21 |
22 |
23 |
24 |
||
25 |
26 |
28 |
29 |
|||
Navigation
StartseiteThemen
Blogger.de Startseite
Suche
Zuletzt
Kindergarten Europa
Ich glaube, wenn die Iren geahnt hätten, was für...
Ich glaube, wenn die Iren geahnt hätten, was für...
by punkter (2008.06.15, 11:03)
zugegeben, nur eine große...
zugegeben, nur eine große bildschirmdiagonale...
zugegeben, nur eine große bildschirmdiagonale...
by kenzaburo (2008.03.30, 16:13)
Bin ich jetzt in der...
Ist es amtlich? Bin ich gestern eingeschlafen und heute...
Ist es amtlich? Bin ich gestern eingeschlafen und heute...
by punkter (2008.03.19, 23:16)
Einmal Nachsitzen für...
Ich liebe das Bundesverfassungsgericht. Nicht nur...
Ich liebe das Bundesverfassungsgericht. Nicht nur...
by punkter (2008.03.12, 00:22)